Wege und Abwege zwischen Schyn und Viamala

Cover Buch Wege und Abwege zwischen Schyn und Viamala

   Vom Leben an der Landstrasse.

   378 Seiten, 160 Bilder.
   ISBN: 978-3-033-04880-5
   Herausgeber: Walserverein Mutten / Erwin Wyss
   CHF 42.-

 

 
 
 

Das Buch schildert das bewegte Zusammenleben der Menschen in und an den beiden grossen Schluchten Schyn und Viamala. In diesem Zusammenhang wird auch das Leben in den 12 Dörfern und Weilern an den Schluchten während des Postkutschenzeitalters und darüber hinaus geschildert. An der Viamala sind dies: Zillis, Rongellen, Thusis, Fürstenaubruck. Und an der Schynschlucht: Tiefencastel, Stürvis, Mutten, Alvaschien, Solis, Obervaz, Sils und Scharans.

Das neue Buch über das Einzugsgebiet von Schyn und Viamala mit einer Vielzahl von Ereignissen an und in den Schluchten ist im Dezember 2017 in der 2. Auflage erschienen.

Bereits das Vorwort verspricht einiges an Spannung. Der Autor öffnet die Türe einen Spalt und gibt den Blick auf einige Kernelemente der Geschichte in und zwischen den beiden Schluchten frei. Er schreibt: „So haben mich denn die Abwege in Form und Inhalt mehr beschäftigt als die Wege durch die beiden Schluchten, wenngleich sie im Umfang geringer ausgefallen sind. Es war aber zum Vornherein klar, dass meine Darstellung der Geschichte, die Wiedergabe der Ereignisse und die Schilderung des Zusammenlebens aufgrund der Quellen eine Konzentration auf das Ausserordentliche, auf das nicht Alltägliche, ergeben würde und dennoch in keiner Art und Weise eine willkürliche Auswahl sein sollte. Dadurch wird das Alltagsleben nicht in seiner ganzen Breite langweilig ausgewalzt. Vielmehr kommen die seltenen Ereignisse in konzentrierter Form zum Tragen, und zwar sowohl die Naturerscheinungen als auch die durch menschliche Schwächen verursachten Fehlleistungen in Form von folgeschweren Entscheidungen der Dorfpolitik zum Nachteil von Minderheiten oder Einzelpersonen bis hin zu Mord und Totschlag. Das war es, was mich besonders beschäftigt hat, die Frage nämlich, ob das, was wir am Bildschirm als unser täglich Brot aufnehmen, auch geschrieben werden soll. Dürfen Gewaltverbrechen, die sich im dargestellten Raum ereignet haben, zu Papier gebracht werden? Selbstverständlich. Besonders die Opfer verdienen es, durch die Darstellung der Ereignisse würdevoll in die Geschichte einzugehen, um ihnen wenigstens damit eine postume Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Und die Täter sollen nicht ungeschworen davon kommen. Und zudem wird das uralte journalistische Prinzip verfolgt, dass dargestellt wird, was interessiert und dass Namen Nachrichten sind. So ist denn dieses Buch vor allem eines nicht: Ein Versteckenspiel mit Fakten, die der Öffentlichkeit zustehen, unter dem Vorwand von schutzwürdigen Interessen, wie es das neue Gesetz über das Öffentlichkeitsprinzip in den Bündner Gemeinden erst gerade zementiert hat“.

 

Eine Fundgrube an historischem Wisseh

Beitrag von Christoph Frey im Bündner Tagblatt zum neu erschienen Buch „Wege und Abwege zwischen Schyn und Viamala“.
Ich danke dem Autor Erwin Wyss ganz herzlich zu diesem überaus gelungenen Buch. Es ist eine richtige Fundgrube, ja ein Schatz an historischem Wissen, aber auch an Anekdoten und Geschichten aus alter Zeit. Wie har und voller Gefahren muss damals das Leben in den Bergen gewesen sein. Wie mutig und tapfer haben es die Muttner gemeistert. Und doch auch: Wie schön und echt ist es gewesen. Einerseits sind grossartige Leistungen und Schicksale zu bewundern, anderseits aber werden einem auch die Niederungen des Menschseins nicht vorenthalten. Und immer wieder blitzt ein feiner, trockener Humor auf, ein Augenzwinkern. Schliesslich aber spürt man die Verbundenheit mit und die Liebe zu Mutten und das Engagement für und die Sorge um die Heimat.

Wenn Erwin Wyss diese Buch nicht geschrieben hätte – der ganze Inhalt wäre für immer vergessen gegangen. So bleibt es der Nachwelt erhalten und ermöglicht so auch zukünftigen Generationen einen Bezug und damit die Liebe zur Heimat.

Das Buch „Wege und Abwege zwischen Schyn und Viamala“ ist in Teilen ein in hohem Masse geprägtes investigativ-journalistisches Werk. Mit sehr viel Spürsinn entdeckt der Autor Quellen, die in Gemeindearchiven nicht zu finden sind. Vielfach wurden Akten noch vor deren Registrierung durch die zuständigen Archivbeamten entfernt, um damit Spuren zu verwischen. Oft wurden ihm Akten unter dem Vorwand von schutzwürdigen Daten vorenthalten. Solche Momente waren immer Ansporn, weiter zu bohren, was sich oft als lohnend erwies. Es ging ihm nicht darum, jemandem zu gefallen oder jemandem zu schaden. „Sondern darum, mit der Feder in der Wunden herumzustochern“, wie es Albert Londres, der Vater des investigativen Journalismus formulierte. Und wer investigativ recherchiert, darf nie locker lassen und darf in Bezug auf die Fakten keinerlei Angriffsfläche bieten. Wer das buch aufmerksam liest, merkt schnell, dass hier ein in jeder Beziehung eigenständiges Werk entstanden ist, das einen guten Teil der Regionalgeschichte abdeckt. Und was den Autor in seiner langen journalistischen Tätigkeit geprägt hat, kommt auch hier deutlich zum Ausdruck: Die Fakten sind heilig- der Kommenrtar ist frei.