Muttner Mundart

Die Muttner Mundart ist akut gefährdet. Nein, die Muttner Sprache stirbt aus. Das klingt dramatisch. Ist es auch. Wenigstens für die, die sie noch gebrauchen. Aber auch für die, die auswärts wohnen und beim Nachhausekommen nicht mehr daheim sind. Bei der Sprachverwendung geht es besonders auch ums Echo, also ums Antworten in eben dieser Sprache. Und dieser vertraute einstige Klang ist im Dorf nur noch ansatzweise zu hören. 700 Jahre hat sie den Stürmen der Zeit getrotzt. Nun liegen zwischen der selbstverständlichen flächendeckenden Verwendung der Muttersprache und deren Verlust nicht mehr als ein halbes Jahrhundert. Das bedeutet für das Dorf den Verlust eines der höchsten Güter überhaupt. Sprache ist Heimat. Sprache ist Erinnerung. Sprache ist Erlebnis. Sprache ist Identität. Sprache ist Leben.

Mundartbeispiel

Ds Riedisch Wolka

Hinnan im Sertig, bim Déirfli, isch schu im Augschta, wenns det ans Heiwa geit, d Sunna nu a churzi Zit z gséin. Und do hätta ma schi grad no am Zmittàg, wenn d Mada dir cho setta, no gäran as Wiili. Aber fasch jedas Mool chunnt denn a groussi, schwäri Wolka hinderem Älplihoura firi, wirft cholti Schatta uf die Wiisa gäga d Sunna, und das ligganda Heiw, wo dia Hitz asou néitig hätti, plipt im Schatta. Dia Wolka, wo da Sertiiger asou bikannt isch wie dr Lauf vor Sunna und vom Mond, het sougor a Nama, „Rüedisch Wolcha“, sägara dia Iheimischa und dia oolta Liit wissa gnau, wohär der Nama chunnt.

Uf dr Alp hinder dr Egga het vor lenger Zit a Puur a Chnächt gkhä. Äs séi schints a Riedi vo Mutta gsin, starch wie a Bär, aber fuul wie as Schwin und drbie erscht no grob und ungschlacht.

Amool ama rächt heissa Mittàg sind sch bim Chéira gsin. D Sunna hets psunders guat gmeint und het unbarmhärzig uf d Lit ob prennt. Dr Puur het Angscht gkhä, ds Wätter chennti umschlon, wils grad goor asou schwiil gs in ischt und het d Lit gmacht pressiera. Är het an dem Nomittag alles welle under Tach hän. Dm Chnächt het das wider amool nit passt, är wär lieber am Schatta gläga und hätti gfulenzet. Er het gmurrt und afo uusriefa: „Wenn nu dr barentig Téifel asou a rächts Ghenk uber d Sunna teckti und an untonderlichi Wolka uber d Bärga här in der vrfluecht Gluetoufa vom a Tal jagti oder ds Heiw grad sälber nämti!“ Dr Patrun isch arschrocka uber die läschterlicha Wourt und het dm Chnächt d Schand gseit: „Das wieschta Reda chennti di de no reia!“ Doch dr Riedi het schich niit drus gmacht, der unflätig Wuascht. Är het gfluechet und toubet, as äs gkhei Gattig gkhän het.

Jatz am Nomittag, asou um di dréi, isch de cho, was är schich sehnlichscht gwinscht het. Uf zmool isch a groussi schwarzi Wolka zwischet dm Älplihoura und dr Schwarzflua uufgstoussa. „Do händ wrs jatz“, seit dr Puur, „das git a schwärs Gwitter!“ Und asou isch s au chon. A firchterlicha Hagelschlag isch mit Blitz und Tonder lousprocha. Es het sougoor in a Hitta ingschlaga. Und am Obet spoot, wos angfanga het nachta, isch dr Talbach unheimlich angschwolla, het Steina und Sand in grousser Mengi mit schich gnun und grad das Heiw uberschwemmt, wo sch am Mittàg gkhéirt gkhä händ. Und dan andera Puura is nit besser gganga.

Jatz sind aber die Puura wietig uf der Lumpachnächt chon und händ ma opasst, und äs wär ma schlimm gganga, wenn sch na erwischt hätta. Är het schich aber in dr Nacht heimlich drvon gmacht.

Sithär isch die leid Wolka jeda Summer do. Immer an dr glicha Stell. Zwischet dm Älpli- und dm Leidbachhoura schiebt scha schich no am Mittàg asou um die zwei, dréi firi, und dr Himmel isch ganz tunkel. De säga d Heiwer: „Jatz chunnt wider Rüedisch Wolche“. Und äs gruuset na, und schi macha, as sch Gapla sou gschwid wie migglich under Tach und Fach pringa.