Echo vom Ggrooggachilchli

Neu im Echo vom Ggrooggachilchli

„Wo ist denn das Muttner Horn hingekommen?“ war die Frage im „Echo vom Ggrooggachilchli“ vor 21 Jahren. Ich kann nicht umhin, den damaligen Text hier zu wiederholen, um jedermann vor Augen zu führen, wie sich das Thema im Zeitraum von zwei Jahrzehnten entwickelt hat. Damals schrieb ich: Diese Frage wird sich vielleicht künftig stellen, wer nach anstrengen­dem Aufstieg schweissgebadet den Blick auf die Landeskarte wirft, um festzustellen, wie hoch denn eigentlich der höchste Punkt auf Muttner Gebiet liegt. Man sucht und sucht, dreht die Karte nach allen Richtungen und findet das Muttner Horn doch nicht….. Doch, da ist es! Viel weiter im Süden, über der Schischesa gegen die Stürver Räsi hin, ganz auf Stürver Gebiet -18 m weniger hoch als das „alte“ Muttner Horn.

Damit das obgenannte Szenario nicht eintritt, müssen die Muttner sich beeilen, jedes Ding wieder an seinen Ort zu stellen. Neuerdings heisst das „Karfoonli“ „Cartabli“; „Chaisers Stickli“ hat die „Hibel“ unter dem Dorf Obermutten nach „Jaggem Hansch Huus“ hin abgedrängt, der „Tolaberg“ liegt nun beim „Huus“, die „Girtschana“ und der „Sack“ haben ihre Standorte vertauscht, „Grogsch“ hat in „Grogs“ gegen das „Kanikil“ hin einen zweiten Standort gefunden, das „Ggrooggachilchli“ ist zum „Gitzichroma“ hinauf gewandert und der „Chroma“ ist in die Schamser Bergwälder oder Maiensässe abgeschoben worden.

Wie es soweit kommen konnte, ist mir unklar. Sicher ist aber, dass die vor rund 15 Jahren durch den zuständigen Geometer Chr. Hassler gemachten Fehler korrigiert werden müssen. Unser Anliegen, diese und weitere hier nicht genannte Fehler zu eliminieren, ist beim Gemeindevorstand nicht auf taube Ohren gestossen. Vor einem Jahr wurde mir der Auftrag erteilt, die Grundlagen zur Korrektur zu erar­beiten. Ich habe mangels anderer Interessenz in unserem Verein in diesen vermeintlich sauren Apfel gebissen. Nach der nun abgeschlos­senen ersten Phase stelle ich mit grosser Genugtuung fest, dass die Aufgabe höchst interessant und spannend verlief.

Mittlerweile ist die Muttner Flurnamenkarte mit rund 600 zugeordneten Flurbezeichnungen in fünf Schriftgrössen (je nach Ausdehnung des Ortes) herausgekommen (s. Menuleiste oben unter „Bücher“). Die Karte ist bis auf wenige Exemplare ausverkauft. Mit ihr wurde ein hochgeschätztes Kulturgut gerettet. Die zu Grunde liegenden Quellen waren damals: Interviews mit alten Muttner Persönlichkeiten,  Grundbucheinträge, Rätisches Namenbuch, Grundbuchpläne, Urkunden und eine   Vielzahl von andern Dokumenten. Die Flurnamenkarte ist also selbst Teil des Kulturgutes von Mutten geworden.

So weit, so gut, möchte man meinen. Weit gefehlt. Vor einigen Jahren habe ich reklamiert, weil die Meliorationskommission meine Wiese samt Stall in Schwarzstafel auf die „Wirza“ (weiter unten im Wald gelegen) verlegt hatte. Man hat gesagt, dass man das nicht mehr korrigieren könne. Letzthin erhielt ich einen Brief vom Bauamt in Thusis, in welchem es um mein Haus Nr. 100, „under da Hischer“ ging. Also ist mein Haus inzwischen auf dem Papier unter das Dorf verlegt worden. Daraus schloss ich, dass die alten Fehler durch das zuständige Ingenieurbüro HMQ aus Thusis nicht korrigiert wurden. So habe ich denn den Plan der Auflage des alten Bestandes der rund 1300 Grundstücke in Mutten, der am 6. Juli 2018 herausgekommen ist und alle Grundstücke mit Nummer, Eigentümer, Ortsbezeichnung und Grundstückfläche versieht, unter die Lupe genommen. Von 100 ziemlich der Reihe nach kontrollierten Grundstücken sind 80 mit dem falschen Namen versehen. Ich schätze also, dass drei Viertel aller Namen falsch zugeordnet sind. Das hat zwar keine momentanen Konsequenzen für die Neuzuteilung, wird aber spätestens dann schwerwiegende Folgen haben, wenn grundbuchamtliche Handänderungen vorgenommen werden. Wie mir Frau Schmid vom Grundbuchamt Thusis mitgeteilt hat, übernimmt das Grundbuchamt die vom Geometer gelieferten Bezeichnungen für die Grundstücke und streicht allfällige alte Bezeichnungen durch. Das ist völlig inakzeptabel, weil damit auf alle Zeiten die Geschichte verfälscht wird. Ich rufe alle Grundeigentümer, denen die herkömmliche Muttner Kulturlandschaft lieb ist, dazu auf, sich den falschen Namen ihrer Grundstücke zu widersetzen.